Abenteuer Wege, Heft 2/2013: Partisanenpfade

Annette Johann, Abenteuer Wege 2/2013

Fast zwei Jahre lang lag ihr Revier auf den wilden Gebirgssteigen westlich von Turin. La Resistenza, die Widerstandsbewegung gegen Hitler und Mussolini.

Sie wollten das Buch schreiben, das sie Anfang der 1990er Jahre selbst gerne gehabt hätten. Als sie beim Wandern über eine wildromantische Hochebene im Piemont auf ein großes Eisenkreuz zum Gedenken an zwei 1944 von den Nazis ermordeten Brüder stießen. ,,Da halfen weder leidlich gute Schulbildung noch ein langes Studium weiter“, gestehen Sabine Bade und Wolfram Mikuteit. ,,Unser Impuls: Was hatten denn die Nazis auf dieser Wiese zu suchen?“ Es war der Beginn einer Jahrzehnte währenden Recherche, denn die beiden waren dort oben in der Abgeschiedenheit der Berge unversehens auf Spuren der gewaltigen italienischen Widerstandsbewegung Resistenza gestoßen. Eine Bewegung, die sich nach Italiens Waffenstillstand mit den Alliierten am 8. September 1943 gegen die ursprünglich unter Mussolini und Hitler vereinten Faschisten richtete. Und die in den 20 Monaten bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs auch aus den Bergen heraus mit enormer Durchdringung für einen radikalen Wandel in ihrem Land kämpfte. Einem Land, das schon seit 1922 vom Gespenst des Faschismus gegeißelt wurde. Weit vor Hitlers Machtergreifung in Deutschland.

Colle di Thuras (2.798 m) - mit Grenzstein aus dem Jahr 1823. Hier geriet am Abend des 27. August 1944 eine Partisanengruppe in einen Hinterhalt. Beschrieben in Tour 13 - Auf den Spuren der Autonomen im Val Thuras. Foto: © Wolfram Mikuteit

Bade und Mikuteit gruben sich durch Archive und Geschichtsbücher, gingen im Piemont sämtlichen auffindbaren Spuren nach. Rekonstruierten die Lage, nachdem der einstige Kriegsverbündete Deutschland 1943 schlagartig zum Gegner und die deutschen Truppen im Land zu Besatzern geworden waren. Erbarmungslos verfolgten sie die „italienischen Verräter“, denen nun Kriegsgefangenschaft oder Zwangsarbeit drohte. Einen Fluchtweg für die Soldaten boten die Widerstandsgruppen, die teilweise als bewaffnete Partisanen agierten und Teile der zerschlagenen italienischen Armee von immerhin fast 1,4 Millionen Uniformierten auffingen. Mit rund 250 000 Aktiven formierte sich so eine der größten Widerstandsbewegungen Europas. Viele der Kämpfer saßen in den Bergen des Piemonts, schmuggelten Nachrichten, aber auch Verfolgte ins benachbarte Frankreich.

Ihre Wege, Verstecke und ihre Geschichte haben die Autoren in einem „ Wanderlesebuch “ zusammengefasst und Routen drum herum komponiert. Beginnend bei einer Erkundung Turins und endend in den italienisch-französischen Grenzgebirgskämmen. Woraus ein beeindruckendes und fesselnd zu lesendes Werk entstanden ist, das auch als normaler Wanderführer mit Kartenskizzen, Streckenbeschreibungen, Unterkunfttipps und GPS-Daten funktioniert.

Annette Johann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.