Das neue Memoriale della Shoah in Mailand

Memoriale della Shoah Mailand - Foto: © Wolfram MikuteitDie Juden Mailands wurden ab November 1943 zunächst im Mailänder Gefängnis San Vittore inhaftiert und dann vom Hauptbahnhof aus in die Vernichtungslager deportiert. Bis Januar 1945 verließen ingesamt 15 Deportationszüge Mailand.

Eine schlichte Gedenktafel ganz am Ende von Bahnsteig 21 des Mailänder Hauptbahnhofs für die Menschen, die aus rassistischen und/oder politischen Gründen von Mailand aus in die Vernichtungslager der Nazis deportiert wurden, gibt es bereits seit 1998. Zufällig sieht man die Tafel mit den darauf eingelassenen Zeilen von Primo Levi nicht, Reisende gelangen selten an diese etwas abgelegene Stelle.

Die Viehwaggons, die Mailand in Richtung Auschwitz-Birkenau, Mauthausen, Bergen-Belsen und in die italienischen Lager zum späteren Weitertransport verließen, wurden aber ohnehin an anderer Stelle beladen: Durch einen Seiteneingang des Mailänder Hauptbahnhofs in der Via Ferrante Aporti – ansonsten ausschließlich für Waren-, Post- und Viehtransporte genutzt und weit weg von neugierigen Blicken – wurden die zur Deportation bestimmten Menschen in die Waggons getrieben.

Und genau dort hat die ‚Fondazione Memoriale della Shoah di Milano‘ nun mit dem Memoriale einen sehr eindrücklichen Gedenkort geschaffen. Mit den Bauarbeiten für das im Jahr 2002 von der Stiftung initiierte Projekt wurde 2010 begonnen. Am 27. Januar 2013 wurde das Kernstück offiziell eingeweiht und erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Danach wurden die Arbeiten daran fortgesetzt. Seit Ende Januar 2014 steht das Memoriale della Shoah nun zumindest tageweise (s.u.) Besuchern offen.


Per non dimenticare – um nicht zu vergessen: Auf dem noch erhaltenen kurzen Gleis stehen Viehwaggons, auch der Aufzug ist noch vorhanden, mit dem die beladenen Waggons hinauf zum Bahnhof befördert wurden. In den Boden der Verladerampe sind die Abfahrtstage und Ziele der Deportationszüge eingelassen. Und an die ‚Mauer der Namen‘ werden die Namen aller 774 jüdischen Männer, Frauen und Kinder projeziert, die mit den Deportationszügen am 6. Dezember 1943 und 30. Januar 1944 Mailand in Richtung Auschwitz verließen. Die Namen der 27 Überlebenden sind hervorgehoben.

Viele Schautafeln bieten auf den insgesamt circa 7.000 qm des Memoriale della Shoah die nötigen Informationen zur – mit der deutschen Besetzung ab dem 8. September 1943 einsetzenden – physischen Verfolgung der Juden in Italien, veranschaulicht durch Wochenschauberichte dieser Epoche. Eine große Video-Leinwand steht für Zeitzeugenberichte zur Verfügung: Bei unserem Besuch sahen wir ein Gespräch mit Liliana Segre, die am 30. Januar 1944 von hier aus als 13-Jährige zusammen mit ihrem Vater und 603 weiteren Menschen nach Auschwitz deportiert wurde. Nur 22 von ihnen überlebten den Holocaust – ihr Vater gehörte nicht dazu.

Noch ist das Memoriale della Shoah in Mailand nicht an jedem Tag geöffnet. Aber es steht – nach Voranmeldung – jeden ersten und dritten Donnerstag von 15.00 – 18.30 Uhr und an jedem letzten Sonntag eines Monats von 9.30-12.30 Uhr Besuchern offen. Informationen unter: www.memorialeshoah.it

Voranmeldungen können über coordinamento.memoriale@memorialeshoah.it vorgenommen werden.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

2 Kommentare zu “Das neue Memoriale della Shoah in Mailand

  1. Sabine Bade on 27. März 2016 at 12:58 gesagt:

    Öffnungszeiten des Memoriale della Shoah di Milano im Jahr 2016:
    Montag von 10.00-19.30 Uhr, Dienstag bis Donnerstag 10.00-14.30 Uhr, am 1. Sonntag des Monats von 10.00-18.00 Uhr. Weitere Termine nach Voranmeldung unter prenotazioni@memorialeshoah.it.

  2. Sabine Bade on 5. Februar 2015 at 10:30 gesagt:

    Die Öffnungszeiten des Memoriale della Shoah haben sich geändert:

    Jeden Montag von 10.00-20.00 Uhr ist es nun für Besucher zugänglich.
    Weitere Termine nach Voranmeldung.

    Über aktuelle Veränderungen informiert die Seite http://www.memorialeshoah.it/italiano/orari-contatti.html

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