Kategorie-Archiv: Provinz Mailand

Provinz Mailand

Im Bosco della Memoria in Monza wird an die Opfer der Deportationen erinnert

Monza, nur knapp 20 km nordöstlich von Mailand gelegen, gehörte zum Einzugsgebiet der großen Industrieunternehmen, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem in und um den Nachbarort Sesto San Giovanni angesiedelt hatten. Frauen und Männer aus Monza pendelten dank guter Verkehrsverbindungen in die dort ansässigen Fabriken von Breda, Pirelli, Falck, Marelli, Singer und deren Zulieferer.

der Bosco della Memoria in Monza - Foto: © Wolfram Mikuteit

der Bosco della Memoria in Monza – Foto: © Wolfram Mikuteit

weiterlesen →

Das Mailänder Architekturbüro BBPR

Im Januar 2017 wurden in Mailand die ersten sechs Stolpersteine verlegt, einer davon für den Architekten und Stadtplaner Gian Luigi Banfi (1910-1945). Er war im August 1944 als Mitglied der antifaschistischen Widerstandsbewegung Giustizia & Libertà verhaftet und von den deutschen Besatzern über das Durchgangslager Fossoli in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert worden. Dort starb er im Nebenlager Gusen – kurz vor der Befreiung des Lagers – am 10. April 1945 an völliger Entkräftigung. Verlegt wurde der Gian Luigi Banfi gewidmete Stolperstein in der Mailäner Via dei Chiostri vor dem Gebäude, in dem das von ihm mitgegründete Mailänder Architekturbüro BBPR seinen Sitz hatte.

Monument für die Opfer der NS-Vernichtungslager - Foto: © Wolfram Mikuteit

Monument für die Opfer der NS-Vernichtungslager – Foto: © Wolfram Mikuteit

weiterlesen →

Das neue Memoriale della Shoah in Mailand

Memoriale della Shoah Mailand - Foto: © Wolfram MikuteitDie Juden Mailands wurden ab November 1943 zunächst im Mailänder Gefängnis San Vittore inhaftiert und dann vom Hauptbahnhof aus in die Vernichtungslager deportiert. Bis Januar 1945 verließen ingesamt 15 Deportationszüge Mailand.

Eine schlichte Gedenktafel ganz am Ende von Bahnsteig 21 des Mailänder Hauptbahnhofs für die Menschen, die aus rassistischen und/oder politischen Gründen von Mailand aus in die Vernichtungslager der Nazis deportiert wurden, gibt es bereits seit 1998. Zufällig sieht man die Tafel mit den darauf eingelassenen Zeilen von Primo Levi nicht, Reisende gelangen selten an diese etwas abgelegene Stelle.

Die Viehwaggons, die Mailand in Richtung Auschwitz-Birkenau, Mauthausen, Bergen-Belsen und in die italienischen Lager zum späteren Weitertransport verließen, wurden aber ohnehin an anderer Stelle beladen: Durch einen Seiteneingang des Mailänder Hauptbahnhofs in der Via Ferrante Aporti – ansonsten ausschließlich für Waren-, Post- und Viehtransporte genutzt und weit weg von neugierigen Blicken – wurden die zur Deportation bestimmten Menschen in die Waggons getrieben.

Und genau dort hat die ‚Fondazione Memoriale della Shoah di Milano‘ nun mit dem Memoriale einen sehr eindrücklichen Gedenkort geschaffen. Mit den Bauarbeiten für das im Jahr 2002 von der Stiftung initiierte Projekt wurde 2010 begonnen. Am 27. Januar 2013 wurde das Kernstück offiziell eingeweiht und erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Danach wurden die Arbeiten daran fortgesetzt. Seit Ende Januar 2014 steht das Memoriale della Shoah nun zumindest tageweise (s.u.) Besuchern offen.


Per non dimenticare – um nicht zu vergessen: Auf dem noch erhaltenen kurzen Gleis stehen Viehwaggons, auch der Aufzug ist noch vorhanden, mit dem die beladenen Waggons hinauf zum Bahnhof befördert wurden. In den Boden der Verladerampe sind die Abfahrtstage und Ziele der Deportationszüge eingelassen. Und an die ‚Mauer der Namen‘ werden die Namen aller 774 jüdischen Männer, Frauen und Kinder projeziert, die mit den Deportationszügen am 6. Dezember 1943 und 30. Januar 1944 Mailand in Richtung Auschwitz verließen. Die Namen der 27 Überlebenden sind hervorgehoben.

Viele Schautafeln bieten auf den insgesamt circa 7.000 qm des Memoriale della Shoah die nötigen Informationen zur – mit der deutschen Besetzung ab dem 8. September 1943 einsetzenden – physischen Verfolgung der Juden in Italien, veranschaulicht durch Wochenschauberichte dieser Epoche. Eine große Video-Leinwand steht für Zeitzeugenberichte zur Verfügung: Bei unserem Besuch sahen wir ein Gespräch mit Liliana Segre, die am 30. Januar 1944 von hier aus als 13-Jährige zusammen mit ihrem Vater und 603 weiteren Menschen nach Auschwitz deportiert wurde. Nur 22 von ihnen überlebten den Holocaust – ihr Vater gehörte nicht dazu.

Noch ist das Memoriale della Shoah in Mailand nicht an jedem Tag geöffnet. Aber es steht – nach Voranmeldung – jeden ersten und dritten Donnerstag von 15.00 – 18.30 Uhr und an jedem letzten Sonntag eines Monats von 9.30-12.30 Uhr Besuchern offen. Informationen unter: www.memorialeshoah.it

Voranmeldungen können über coordinamento.memoriale@memorialeshoah.it vorgenommen werden.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit