Kategorie-Archiv: Provinz Turin

Provinz Turin

Der Campo della Gloria in Turin

48 kubusförmige Marmorstelen mit den Namen von Opfern des Widerstands gegen die deutsche Besatzung aus der gesamten Provinz stellen das Zentrum des Campo della Gloria auf dem Zentralfriedhof von Turin dar. Gleich nach dem Krieg wurde diese eindrückliche Gedenkstätte auf Initiative von Nicola Grosa, Vize-Kommandeur der Zone III des piemontesischen Widerstands (Valli di Lanzo und Valle Orco), angelegt: Den Eingang markiert ein Gedenkstein mit einem Zitat von Thomas Mann aus dem Jahr 1954 „L’Avanguardia di una migliore Società umana“. Damals hatte Mann über die europäischen Widerstandsbewegungen geschrieben, dass sie mehr wollten als nur Widerstand zu leisten, sich als die „Avantgarde einer besseren menschlichen Gesellschaft“ empfanden. Das große Monumento al Partigiano Caduto hat der Bildhauer Umberto Mastroianni zusammen mit dem Architekten und Universalkünstler Carlo Mollino bereits 1945 geschaffen.

Nachdem Hinweise darauf eingegangen waren, dass nicht alle Namen der Männer aus der Sowjetunion, die sich dem piemontesischen Widerstand angeschlossen hatten, korrekt seien, hat die Verwaltung des Turiner Hauptfriedhofs anhand der Archive der ANPI (Associazione Nazionale Partigiani d’Italia) und anderer Unterlagen in den vergangenen zwei Jahren gleich alle der ca. 1.200 gelisteten Opfer überprüft. Im Laufe dieses Jahres werden die Fehler  korrigiert.

Wer den Campo della Gloria besuchen will, findet alles Wissenswerte dazu in unserem Buch Partisanenpfade im Piemont im Kapitel „Stadtspaziergang durch Turin“.

 

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

Stolpersteine in Turin

In Turin wurden am 10. und 11. Januar 2015 erstmals Stolpersteine verlegt.

Nachdem im Jahr 2010 in Rom die ersten italienischen Stolpersteine – “Pietre d’Inciampo” – verlegt wurden, entstanden (und entstehen nachwievor) in vielen italienischen Städten und Gemeinden Initiativen, die Verlegungen dieser kleinen, mit Messing überzogenen und in den Boden eingelassenen Gedenksteine organisieren, um an das Schicksal von Menschen zu erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert, ermordet, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

In Turin wird das Stolperstein-Projekt von einem breiten Spektrum an Organisationen getragen, dem das Museo della Resistenza, die Jüdische Gemeinde, das Resistenza-Institut, die ANED (Nationale Vereinigung der Deportierten), das Goethe-Institut u.v.a.m. angehören. So konnten 27 Gedenksteine für TurinerInnen verlegt werden, die aus politischen oder rassistischen Gründen deportiert wurden.

Nun liegt beispielsweise vor dem Eingang der Schule am Corso San Maurizio 8 ein Stolperstein für Teresio Fasciolo:

 

 

 

QUI STUDIAVA
TERESIO FASCIOLO
NATO 1925
ARRESTATO MARZO 1944
DEPORTATO 1944
MAUTHAUSEN
ASSASSINATO 30.5.1944

 

Warum der 18-jährige Schüler nach Mauthausen deportiert und dort ermordet wurde, geht aus der knappen Inschrift leider nicht hervor. Dass sich der Junge den Partisanen der 2. Garibaldi-Division angeschlossen und in den Valli di Lanzo verhaftet, also „per motivi politici“ deportiert wurde, erfährt aber, wer das Stolperstein-Faltblatt mit ganz kurzen biografischen Notizen abruft. Darin sind auch die Verlegestellen eingezeichnet.

 

Weitere Stolpersteine in Turin:

  • in der Via Carlo Alberto 22 für Filippo Acciarini (politisch),
  • in der Via Po 25 für Michele Valabrega, seine Frau Maria Elena und Tochter Stella,
  • am Corso Regio Parco 35 für Lucio Pernaci (politisch),
  • am Corso Casale 10 für Luigi Porcellana (politisch),
  • am Corso Cairoli 32 für Lina Zargani,
  • am Corso Massimo D’Azeglio 12 für Eleonora Levi,
  • am Corso Marconi 38/40 für Gino Rossi,
  • in der Via Campana 18 für Luciano und Renato Treves (politisch),
  • in der Via Principe Tommaso 42 für Eugenio Nizza,
  • in der Via Principe Tommaso für Salvatore und Alberto Segre (politisch),
  • in der Via Gioberti 69 für Alfonso Ogliaro (politisch),
  • in der Via Fratelli Carle 6 für Alessandro, Germana, Luciana und Sergio Levi,
  • in der Via Amadeo Avogadro 19 für Marianna Sacerdote,
  • in der Via Giacinto Collegno 45 für Enzo Lolli,
  • in der Via Duchessa Jolanda für Donato Giorgio Levi,
  • in der Via Aurelio Saffi 13 für Rosetta Rimini und ihre Tochter Lidia Tedeschi,
  • am Corso Tassoni 33 für Corrado Lolli
  • und in der Via Vicenza 23 für Gelindo Augusti (politisch).

Spaziergang durch Turin auf den Spuren der Resistenza

So lässt sich nun der von uns beschriebene „Spaziergang durch Turin auf den Spuren der Resistenza“ (unsere Tour 1 in Partisanenpfade im Piemont) um einen kleinen Stolperstein-Spaziergang erweitern.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

Die Hospitäler der Resistenza in den Lanzotälern

Am 12. September 1943 – wenige Tage nach dem Waffenstillstand – erhielt der Dermatologe Dr. Attilio Bersano Begey vom italienischen Roten Kreuz die offizielle Weisung, seine alte Arbeitsstelle im Ospedale Maria Vittoria in Turin wieder anzutreten. Was er auch tat – und unmittelbar danach Kontakt aufnahm zu den Widerstandszellen in Turin.

Villa Cibrario - Foto: © Wolfram Mikuteit

Villa Cibrario im oberen Viùtal bei Usseglio, ehemaliges Partisanenhospital

Für die Garibaldini organisierte er ab diesem Zeitpunkt das Sanitätswesen in den Valli di Lanzo. Ging es anfangs lediglich um die heimliche Verlegung von verletzten Kriegsgefangenen aus aller Herren Länder, mussten nach den ersten Rastrellamenti Partisanen medizinisch versorgt werden. Während ihre Erstversorgung meist über ein Netzwerk von Ambulanzen und Hospitälern durchgeführt wurde, deren Personal mit dem Widerstand sympatisierte, waren die Krankenstationen der Resistenza im Winter 1943/44 meist nicht mehr als unzureichende Provisorien: Hochgelegene, im Winter ungenutzte Almgebäude, in denen noch nicht einmal Feuer gemacht werden konnte, um nicht die Aufmerksamkeit des Feindes auf sich zu ziehen.

Dr. Begey konnte seine Vorstellung von einer wirklich effizienten Krankenversorgung erst realisieren, als die Partisanen an Einfluss gewannen und die Lanzotäler Ende Juni 1944 zur Zona Libera erklärten. Am 30. Juni 1944 requirierten sie die leerstehende Villa Cibrario in Margone im oberen Viùtal. Der große Billardsaal des noblen Gebäudes diente fortan als Operationssaal. In einen Nebenraum kam die Intensivstation, und in der ersten Etage wurden drei Krankensäle eingerichtet, einer davon als Isolierstation für Patienten mit antsteckenden Krankheiten. Das nötige Mobiliar, Matratzen und Wäsche, wurden fürs Erste aus den umliegenden, ebenfalls leerstehenden Villen entliehen. Mit der aus dem Valtournenche stammenden Piera Brunodet fand sich eine Köchin, und Frauen aus Usseglio und Margone kümmerten sich um die Wäsche. Diese Aufgabe musste zwingend auf viele verschiedene Haushalte verteilt werden, um die Gefahr, bei Hausdurchsuchungen durch belastendes Material aufzufallen, so gering wie möglich zu halten. Insgesamt bot die Villa Cibrario Platz für 60 Patienten.

Das Einzugsgebiet der Klinik war riesig und reichte auch über die Valli di Lanzo hinaus: Garibaldini brachten ihre Verletzten auch aus dem Susatal entweder mit dem Auto via Rubiana – Colle del Lys – Viù oder zu Fuß auf provisorischen Tragen über den Col delle Coupe und Malciaussia. Diesen Weg mutzte auch die Divisione Stellina der GL für den Transport ihrer Verletzten nach Margone.

Von Anfang an war Dr. Begey aber klar, dass er einen Evakuierungsplan für die Villa Cibrario brauchte: Im Rahmen des Unternehmen Nachtigall durchforsteten die Nazis gerade die südlicher gelegenen Täler nach Partisanen, und es war nur noch eine Frage der Zeit, wann sie sich den Valli di Lanzo zuwenden würden. Unter dem Namen Unternehmen Strassburg – nach Sperber, Habicht und Nachtigall scheinen den Deutschen die Vogelnamen ausgegangen zu sein – begann dann auch tatsächlich am 5. September 1944 die Auskämmungsaktion der Valli di Lanzo und Orco. Mit Hilfe des erfahrenen Bergführers Berto Vulpot aus Malciaussia begab sich Dr. Begey auf die Suche nach einem geeigneten Ausweichquartier. Seine Wahl fiel auf ein Gebäude der Socièta Idroelettrica Ovest Ticino am Ufer des kleinen Stausees Lago Dietro La Torre auf 2.366 Metern Höhe, der wie der große Lago della Rossa (2.781 m) in den 1930er-Jahren geschaffen wurde. Hier entstand nun das Convalescenziario Interdivisionale d’Alta Montagna mit 30 Betten für Leichtverletzte und Rekonvaleszenten.
Die Patienten wurden mit dem Wagen nach Crot bei Usseglio zur Talstation der zum Bau der Stauseen errichteten Decauville-Bahn gebracht und dann hinaufgefahren. Die vor Ort Verantwortlichen der Socièta Idroelettrica Ovest Ticino unterstützten dieses Vorhaben übrigens nach Kräften.
Ein Rundfunkgerät für den Empfang von Radio London und eine kleine Bibliothek, bestückt mit Beständen aus den Villen in Margone, sorgten dafür, dass den Patienten in dieser hochgelegenen Abgeschiedenheit die Decke nicht auf den Kopf fiel.
Ein Pfleger und ein Medizinstudent wechselten sich in wöchentlichem Turnus bei der Grundversorgung ab und hielten Dr. Begey, der in regelmäßigen Abständen vorbeikam, zwischenzeitlich mit den Krankenblättern auf dem Laufenden.

Als aber im Zuge des Unternehmen Strassburg die Luft immer dünner wurde unten im Tal und die Bandenjäger sich festzusetzen begannen, wurde für die noch nicht wieder einsatzfähigen Patienten die endgültige Evakuierung nach Frankreich eingeleitet.
Sie wurden nach Malciaussia (1.800 m) gefahren, wo der mühsame Krankentransport hinauf zum 3.077 Meter hohen Colle Autaret begann. In der Kaserne unterhalb des Passes wurde übernachtet, und dann ging es hinab nach Bessans, von wo aus die Patienten in das Militärkrankenhaus von Aix-les-Bains gebracht wurden.
Dr. Begey führte genau Buch: 328 Patienten wurden von ihm in Margone und Lago Dietro La Torre versorgt, nur fünf von ihnen konnte er nicht retten.

Die Krankenhäuser von Margone und am Lago Dietro La Torre waren aber lediglich zwei von sehr vielen, von denen wir wenigstens noch einige anführen wollen:

Im Val Grande baute der junge jüdische Arzt Dr. Simone Teich Alasia – wegen der Rassengesetze mit Berufsverbot belegt – in Ricchiardi bei Pialpetta Ende Juni 1944 das Schulhaus von jetzt auf gleich zur Krankenstation aus: Der Kommandant der Garibaldini hatte ihn darüber informiert, dass Partisanen aus den drei Lanzotälern zwei Tage später das Hauptquartier der Deutschen in Lanzo angreifen würden. Und mit Verletzten zu rechnen sei.

In Balme im Val d’Ala übernahmen die Garibaldini am 26. Juni 1944 die leerstehende Villa Castagneri und funktionierten sie zur Krankenstation um. Die medizinische Leitung lag bei Dr. d’Agata. Auch in diesem Fall lief die Beschlagnahmung der Villa geradezu formvollendet ab: Eine Ausfertigung der Inventarliste über den Hausrat ging an den Eigentümer des Hauses, eine an die für diesen Fall zuständige Kommandoleitung der XI. Brigata Garibaldi Torino und eine Kopie verblieb beim Schriftführer.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

Rede zum 70. Jahrestag des Massakers am Colle del Lys

Als wir vor kurzem die Gedenkveranstaltung am Colle del Lys ankündigten, haben wir dabei auch auf die intensiven Kontakte hingewiesen, die die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der AntifaschistInnen (VVN-BdA) Ravensburg-Oberschwaben seit Jahrzehnten zum Comitato Resistenza Colle del Lys pflegt.


Joseph Kaiser als Vertreter der VVN-BdA Ravensburg-Oberschwaben war Ehrengast bei der Gedenkveranstaltung am 6. Juli 2014 und hat uns erlaubt, seine Rede anlässlich des 70. Jahrestags des Massakers hier nachfolgend wiederzugeben:

Scarica la versione italiana

Gedenkveranstaltung am Colle del Lys

Seit Jahrzehnten findet im Piemont jedes Jahr am ersten Juli-Wochenende eine Gedenkveranstaltung am Colle del Lys statt – dort wo unweit von Turin am Übergang zwischen Susa- und Viùtal am 2. Juli 1944 26 junge Männer einem blutigen Massaker zum Opfer fielen. Auch dieses Ereignis jährt sich – wie so viele andere – dieses Jahr zum 70. Mal.

70. Jahrestag des Massakers am Colle del Lys

Nachdem bereits Ende Juni 1944 Auskämmungsaktionen in verschiedenen Orten des Susatals stattfanden, stießen im Morgengrauen des 2. Juli 1944 deutsche und italienische SS-Truppen zum Colle del Lys vor. Sie näherten sich dem Pass von zwei Seiten, sowohl vom Viù- als auch vom Susatal. Ihr Ziel war die Zerschlagung der 17. Garibaldi-Brigade „Felice Cima“. Während heftiger Gefechte wurden sechs Partisanen getötet, die meisten anderen konnten sich in Richtung der schwer zugänglichen Region um den Monte Rognoso retten. Für 26 Männer gab es dagegen kein Entkommen. Sie waren erst kurz vorher aus der Ebene zu den Partisanen gestoßen und wussten weder, wie man sich im felsigen, unwegsamen Gelände zu bewegen hatte, noch trugen sie dafür das richtige Schuhwerk. Sie sahen sich außerstande, den anderen zu folgen und waren zur Umkehr gezwungen. Die Männer – die meisten waren unbewaffnet – wurden von den SS-lern gefasst, gefoltert und anschließend erschlagen. Erst zwei Tage später war es möglich, die schwer geschändeten Leichen zu bergen und in einem Massengrab beizusetzen.

Per non dimenticare – Orte der Erinnerung am Colle del Lys

1947 wurde am Colle del Lys eine erste kleine Gedenktafel für die Toten der 17. Garibaldi-Brigade „Felice Cima“aufgestellt. Als aber am 11. September 1955 – bereits mitten im Kalten Krieg und einige Jahre nach Aufspaltung der A.N.P.I. – der knapp acht Meter hohe Rundturm eingeweiht wurde, der heute das Wahrzeichen des Passes ist, wählte man einen anderen Ansatz: Seit damals wird nicht mehr nur der Opfer einer einzelnen Partisanenorganisation gedacht, sondern parteiübergreifend aller 2.024 Menschen aus den Valli di Lanzo, Susa, Sangone und Chisone, die während der 20 Monate des Widerstands gegen deutsche und italienische Faschisten ihr Leben verloren.

In diesem eher regionalen als organisationsbezogenen Sinn versteht sich auch das im Jahr 2000 in der ehemaligen Casa Cantoniera errichtete „Ecomuseo della Resistenza Carlo Mastri“. Zwar setzt die ständige Fotoausstellung ihren unübersehbaren Schwerpunkt auf die Geschichte der 17. Garibaldi-Brigade – Wechselausstellungen und Veranstaltungen widmen sich aber dem gesamten Komplex der Resistenza.

Gedenkveranstaltung 2014

Die diesjährige Gedenkveranstaltung beginnt am Samstag, den 5. Juli 2014, mit der Wanderung zum Colle della Portia, die wir auch in unser Buch „Partisanenpfade im Piemont“ aufgenommen haben. Die weiteren Programmpunkte können dem Veranstaltungsplakat entnommen werden.

Ein kleiner Hinweis noch zum Ehrengast der sonntäglichen Hauptveranstaltung Joseph Kaiser (VVN-BdA Ravensburg/Oberschwaben): Die VVN-BdA Ravensburg/Oberschwaben pflegt – wie auch die VVN-BdA Konstanz – intensive Kontakte zu ehemaligen WiderstandskämpferInnen, PartisanInnen, AntifaschistInnen und GewerkschafterInnen aus dem Piemont, die aus der Städtepartnerschaft Ravensburg-Rivoli vor über 30 Jahren hervorgegangen sind. So wie Elena Cattaneo, die Präsidentin des Comitato Resistenza Colle del Lys, im Mai mit ihrem Mann Franco Voghera zur Gedenkveranstaltung am KZ-Friedhof an der Birnau kam, ist auch dieses Jahr wieder eine Delegation der VVN-BdA Ravensburg/Oberschwaben am Colle del Lys dabei.

Plakat / Veranstaltungsprogramm als Download

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

Ada Gobetti – eine Frau im Widerstand

Es gibt kaum ein Buch über den antifaschistischen Widerstand im Piemont, dem Ada Gobettis Diario partigiano nicht als Quelle dient.

Ada Gobetti und Benedetto Croce - 1939. Mit freundlicher Genehmigung: © Centro Studi Piero Gobetti

Ada Gobetti und Benedetto Croce – 1939. Mit freundlicher Genehmigung: © Centro Studi Piero Gobetti

Der Philosoph Benedetto Croce regte sie nach dem Krieg dazu an, ihre in englischer Kurzschrift verfassten Tagebucheinträge über ihre Erlebnisse im Widerstand zu veröffentlichen. Nach Lesen des Manuskriptes urteilte er 1951: „Welch ein Glück, wenn jemand, der daran [der Resistenza] teilgenommen hat, solche Zeilen schreiben kann, wie Sie sie geschrieben haben! […] Sie können also mit dem vollbrachten Werk zufrieden sein“.

Für die Erstauflage des Diario partigiano, 1956 bei Einaudi erschienen, schrieb Italo Calvino das Vorwort. Es beginnt mit den Worten:
„Dieses Buch mit den Memoiren der Resistenza stellt eine Ausnahme dar, nicht so sehr wegen der Wichtigkeit der geschilderten Tatsachen, als wegen der Person, die das Buch geschrieben hat und der Art und Weise, wie der Partisanenkrieg gesehen und gelebt wird. […] Es ist das Buch einer Frau, deren Leben bereits vom Kampf gegen den Faschismus gezeichnet war. Ada Prospero, die Witwe von Piero Gobetti, dem jungen Märtyrer des frühen italienischen Antifaschismus, die zwischen den wichtigsten Verschwörern des zwanzigjährigen italienischen Faschismus gelebt hat, und die von ihrem Freiheitsdrang, dem Bedürfnis zu handeln und einer außergewöhnlichen Courage angetrieben wurde.“

„Ich habe keine politischen Ideen, ich habe nur moralische Gewissheiten“


Wer war diese Frau, die wie Ferruccio Parri und Duccio Galimberti 1942 zu den Gründungsmitgliedern des Partito d’Azione gehörte, die mit dem Philosophen Benedetto Croce eine lebenslange Freundschaft pflegte, die unter anderem für ihre legendäre Winterüberquerung des Passo dell’Orso am 30. Dezember 1944, die die Kontaktaufnahme mit den Alliierten in Frankreich ermöglichte, mit einer der höchsten Tapferkeitsmedaillen Italiens ausgezeichnet und nach dem Krieg zur Vizebürgermeisterin von Turin gewählt wurde? Und die von sich dennoch behauptete: „Io non ho idee politiche, ho solo certezze morali.“

Mit 16 Jahren lernte Ada Prospero 1918 im Turiner Liceo Gioberti den ein Jahr älteren Piero Gobetti kennen, dessen Schriften später die theoretische Grundlage für die Bewegung Giustizia e Libertà und des Partito d’Azione bildeten. Ada arbeitete, parallel zu ihrem Philosophie- und Literaturstudium, mit an seinen Zeitungen Energie Nove und La Rivoluzione Liberale. Das alles bestimmende Thema für die beiden war die Forderung nach einer radikalen Erneuerung in Politik und Kultur. Ihr Privatleben – sie heirateten 1923 – scheint immer vom Politischen bestimmt worden zu sein. La Rivoluzione Liberale war zu einer der exponiertesten oppositionellen Publikationen Italiens mit klar antifaschistischer, radikaldemokratischer Ausrichtung geworden, und die beiden standen nach der Machtergreifung Mussolinis mit anderen Widerstandsgruppen in ganz Italien in Verbindung.

Erstmals verhaftet wurde Piero Gobetti im Februar 1923. Einige Ausgaben der Zeitung wurden beschlagnahmt, andere zensiert. Weitere kurze Inhaftierungen folgten. Am 5. September 1925 wurde er von vier Angehörigen der faschistischen Sturmtruppen, den berüchtigten Squadristi, vor ihrem Haus in der Turiner Via Fabro 6 niedergeprügelt und erlitt schwere Verletzungen. Am 8. November 1925, unmittelbar nach dem Verbot aller oppositionellen Parteien und Druckerzeugnisse, musste La Rivoluzione Liberale ihr Erscheinen endgültig einstellen. Piero wartete noch die Geburt ihres Sohnes Paolo am 28. Dezember 1925 ab und ging kurz darauf, wie so viele andere Antifaschisten vor und nach ihm, ins Pariser Exil. Dort starb er wenig später nach kurzer Krankheit am 16. Februar 1926 an den Spätfolgen des Attentats.


Mit knapp 24 Jahren war Ada Gobetti Witwe und hatte einen erst wenige Wochen alten Sohn. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie durch Übersetzungen klassischer und zeitgenössischer englischsprachiger Autoren und begann, an einer Turiner Schule zu unterrichten. Sie veröffentlichte pädagogische Texte und schrieb das Kinderbuch La storia del gallo Sebastiano. Adas Haus in der Turiner Via Fabro blieb klandestiner Treffpunkt der antifaschistischen Intellektuellen um Carlo Rosselli, Norberto Bobbio und Vittorio Foa. Und als sich 1942 der Partito d’Azione konstituierte, gehörte Ada zu den Gründungsmitgliedern.

Diario partigiano

Ada hat ihre Aufzeichnungen am 10. September 1943 begonnen, zu dem Zeitpunkt, als die Deutschen Turin besetzten. Ihr knapp 18-jähriger Sohn Paolo unternahm von Meana di Susa aus, wo Ada ein Wochendhaus besass, noch am selben Tag mit gleichaltrigen Freunden seine ersten Streifzüge in die Berge: Sie durchsuchten die vom italienischen Militär aufgegebenen Kasernen und Bunker nach Waffen und Munition. Am Abend legte er Ada mit triumphalem Lächeln – „mit derselben Geste wie vor einigen Jahren, als er mir Pilze mitbrachte“ – die erste erbeutete Handgranate auf den Küchentisch. Und schloss sich unmittelbar danach den sich im Susatal bildenden Partisaneneinheiten an.

Ada hatte als Pendlerin zwischen Turin und Meana di Susa viel Bewegungsfreiheit, konnte permanent Unterlagen und Informationen zwischen dem Hauptquartier des CLN in Turin und den Tälern hin und her befördern. Daneben galt es, geflüchtete alliierte Kriegsgefangene in Sicherheit zu bringen, Ausweise zu fälschen und Flugblätter zur Aufklärung der Bevölkerung zu verfassen, sobald eine neue Einberufungsaktion zu Mussolinis RSI-Armee anstand. Sie koordinierte die Partisaneneinheiten der Aktionspartei – die Brigate Giustizia e Libertà (GL) – im Susatal und übernahm dort die auch bei Einheiten der GL obligatorische Stellung des politischen Kommissars einer Einheit. Zusammen mit Silvia Pons, Bianca Guidetti Serra und anderen baute sie die Frauenbewegung des Partito d’Azione, das Movimento Femminile Giustizia e Libertà auf. Frauenarbeit blieb bis zu ihrem Tod im Jahr 1968 eines ihrer zentralen Anliegen.

Ada Gobetti hat in den 20 Monaten ihrer Partisanentätigkeit keinen einzigen Schuss abgefeuert. Liefert aber dennoch mit ihrem Diario partigiano ein sehr plastisches Bild des Partisanenkampfes: Von Hunger und Kälte, von den Versuchen, neue Einheiten aufzustellen, Sprengstoff zu organisieren und von geglückten und misslungenen Anschlägen. Das Buch ist durchzogen von „sanfter Pädagogik“ (Italo Calvino) und ihrem unermüdlichen Pochen darauf, dass die Zukunft keine Fortsetzung der faschistischen Vergangenheit werden darf.

Schade, dass ihr Buch nie ins Deutsche übersetzt wurde.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

Seit 1961 ist im früheren Wohnhaus von Ada und Piero Gobetti in Turin das Centro Studi Piero Gobetti untergebracht. Es umfasst neben der Biblioteca Noberto Bobbio auch ein umfassendes Archiv und viele online verfügbare Quellen. An ihrem ehemaligen Haus in Meana di Susa in der Nähe von Turin erinnert eine Tafel an Ada Gobetti.

 

Die Freiheit zum Greifen nah – Tragödie am Colle Galisia

Das tragische Schicksal der 41 Männer, die bei der Überquerung des Colle Galisia im November 1944 starben, gehört zur Geschichte der Resistenza im Valle Orco. Sie wachzuhalten, hat sich u. a. das Cà del Meist mit seiner permanenten Ausstellung auf die Fahnen geschrieben.

Lago Serrù, 2.278 m - links die Cima della Vacca, 3.186 m - und rechts der Colle Galisia, 2.987 m - Foto: © Wolfram Mikuteit

Den seit alters her von Schmugglern, Händlern und Auswanderern genutzten Weg über den Colle Galisia (2.987 m) nahmen die Partisanen regelmäßig. Um sich bei Auskämmungsaktionen kurzfristig in das bereits befreite französische Arctal abzusetzen, zur Verbindungsaufnahme mit den Alliierten und um Flüchtlinge in Sicherheit zu bringen.

So auch im November 1944:
Eine Gruppe englischer Kriegsgefangener, der im September 1943 die Flucht aus einem Internierungslager gelungen war und die sich seitdem bei den Partisanen im Valle Sacra aufhielt, sollte nach Frankreich gebracht werden. Geführt wurden sie von ortskundigen Partisanen der VI. Divisione Canavesana Giustizia e Libertà und einigen Autonomen.

Von Ceresole Reale stiegen die 44 Männer am 7. November auf zum Lago Agnel, übernachteten dort und gingen dann, obwohl sich das Wetter zusehends verschlechterte, weiter zum Pass. Erst nach Einbruch der Dunkelheit kamen sie dort an, viel später als geplant. Zwei Engländer blieben – sie waren zu erschöpft, um weitergehen zu können – in Begleitung von Giuseppe Mina und Carlo Diffurville zurück. Sie sollten später nachgeholt werden. Bei Eiseskälte (minus 25 Grad) suchten sie Schutz unter einer Felswand am Galisia und warteten auf Rettung. Als die nicht kam, machten sich Mina und Diffurville donn doch an den Abstieg. Und fanden bei den Gorges du Malpasset, ganz in der Nähe des alten Refuge Prarirond, die gesamte Gruppe begraben unter einer Lawine. Erst am 17. November 1944 konnte Alfred Southon mit schwersten Erfrierungen vom Galisia geborgen werden. Sein Begleiter Walter Rattue war einen Tag vorher gestorben.

Am Lago Serrù beginnt ein anspruchsvoller Weg, vorbei am unbewirtschafteten und nur mit Schlüssel zugänglichen Rifugio Pian della Ballotta, hinauf zum Colle Galisia – der Sentiero Internazionale Colle della Losa. Schwierigkeitsgrad nach italienischem Rating EEA, was in etwa dem Schwierigkeitsgrad T6 für „schwieriges Alpinwandern“ der Wanderskala des Schweizer Alpen-Clubs entspricht. Der Aufstieg von Frankreich aus über das Refuge Prarirond gestaltet sich einfacher.

Cà del Meist - mit Bibliothek und Ausstellung zum Colle Galisia - Foto: © Wolfram Mikuteit

Im Cà del Meist in Ceresole Reale (etwas zurückgesetzt ggü. des Albergo Meuble Sport) ist im Erdgeschoss die Dokumentation Galisiaquarantaquattro zur Tragödie am Colle Galisia zu sehen. Im Obergeschoss ist die Biblioteca della Montagna Gianni Oberto untergebracht. Wer nach Literatur zum Tal und der gesamten Gran-Paradiso-Region sucht, wird hier ganz bestimmt fündig.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

Intellektuelle im Widerstand: die Einaudis …

… heißt ein einleitendes Kapitel unseres Buches ‚Partisanenpfade im Piemont’, das wir als Beispiel für gelebten Widerstand während der 20 Jahre andauernden faschistischen Herrschaft Mussolinis geschrieben haben. Widerstand, der – wenn auch klandestin – aktiv betrieben wurde, lange bevor im September 1943 der bewaffnete Kampf, die Resistenza gegen deutsche Besatzung und italienischen Faschismus begann.

Am 15. November 1933 gründete Giulio Einaudi zusammen mit Leone Ginzburg und Cesare Pavese in Turin den Buchverlag Einaudi. 2012 wäre Giulio Einaudi 100 Jahre alt geworden, was die Stadt Turin zum Anlass nahm, unter den Arkaden der Via Po mit einer Plakataktion an ihn zu erinnern.
Wir tun es ihr nach.

Lalla Romano und Giulio Einaudi - Foto: © Wolfram Mikuteit

Dass es elf Jahre nach der Machtübernahme der Faschisten in Italien (und ein halbes Jahr nach den Bücherverbrennungen in Hitler-Deutschland) überhaupt möglich war, zur alles dominierenden patriotischen Kultur des Faschismus auf Distanz zu gehen, setzte gratwanderndes Geschick im Umgehen von Vorschriften voraus, für die die Protagonisten auch Haftstrafen und Verbannung in Kauf nahmen.

Massimo Mila

Die Wurzeln des Verlages gehen auf das Turiner Liceo d’Azeglio zurück. Dort unterrichtete mit Augusto Monti ein Lehrer aus dem Kreis um den früh verstorbenen Piero Gobetti, der sich wenig an die vorgegebenen faschistischen Erziehungsideale hielt und seine Schüler zu kritischem Denken anregte. Cesare Pavese, Leone Ginzburg, Norberto Bobbio, Massimo Mila, Vittorio Foa und der etwas jüngere Giulio Einaudi hatten sich durch ihn kennengelernt und gründeten 1927 ihre legendäre Confraternità.

Cesare Pavese - Leone Ginzburg - Franco Antonicelli

Eine Bruderschaft kluger junger Männer (Ginzburg beherrschte bereits als 15-Jähriger mehrere Sprachen fließend und schrieb für diverse Zeitungen), die zusammen viel Spaß hatten und dabei die Welt theoretisch auseinandernahmen und viel besser wieder zusammensetzten.
Viele von ihnen traten zu Beginn der 1930er-Jahre der 1929 im Pariser Exil gegründeten Widerstandsorganisation Giustizia e Libertà bei.

Norberto Bobbio

Und als Luigi Einaudi (damals als bedeutender Wirtschaftswissenschaftler Herausgeber mehrerer Zeitschriften, im Nachkriegs-Italien Ministerpräsident von 1948–1955) seinem damals gerade 21-jährigen Sohn 1933 die Herausgeberschaft der wirtschaftswissenschaftlichen Zeitung La Riforma Sociale übertrug, machten sich die Freunde daran, das Blatt nach ihren Vorstellungen umzukrempeln und auch in die Buchproduktion einzusteigen.

Pater Luigi

Was die Ausrichtung ihres Verlages anbelangte, orientierten sie sich an Laterza Editori, zu dieser Zeit das einzige italienische Verlagshaus mit antifaschistischem Profil. Für Laterza gab der Philosoph Benedetto Croce, den die Mitglieder der Confraternità seit ihrer Schulzeit verehrten, diverse theoretische Buchreihen heraus. Benedetto Croce war eine der großen Leitfiguren Leone Ginzburgs. Zwar konnte sich ihr Verlag offene Kritik am Faschismus, wie Croce – seit 1910 vom König ernannter Senator auf Lebenszeit – sie formulierte, nicht leisten, aber er sollte mit anderen Mitteln dasselbe bewirken: Provinzialismus entgegenwirken und neue Denkräume erschließen, neue und vor allem breitere Leserschichten erreichen. Bildung für jedermann schwebte ihnen vor. So schrieb Pavese über in Italien damals vollkommen unbekannte amerikanische Schriftsteller wie Sinclair Lewis, Sherwood Anderson, Edgar Lee Masters, John Dos Passos und Walt Whitman. Massimo Mila schrieb über Musik, Norberto Bobbio über Philosophie und der Maler Carlo Levi über Kunstgeschichte. Einaudi kümmerte sich um das Geschäftliche und leitete den Verlag mit großem Geschick.

Cesare Pavese

Das Verlagsprogramm war international ausgerichtet, zu den amerikanischen Autoren kamen die russischen hinzu: Ginzburg übersetzte Puschkin, Dostojewski und Tolstoi. Was vor allem nach dem Einmarsch der Italiener in Russland an der Seite Hitler-Deutschlands zu Problemen führte. Als Anfang 1942 Tolstois Krieg und Frieden erschien, startete der Journalist Goffredo Coppola – ein Wegbegleiter Mussolinis bis zur gemeinsamen Flucht Richtung Schweizer Grenze Ende April 1945 – in der Zeitung Popolo d’Italia einen scharfen Angriff gegen Einaudi: Mit der Veröffentlichung habe der Verlag Parallelen ziehen wollen zwischen Napoleons Angriff auf Russland und der deutsch-italienischen Achse, was nur Anhängern von Benedetto Croce und Hörern von Radio London einfallen könne. Und ganz generell: Ein Verlag, der unter 33 Neuveröffentlichungen 23 Übersetzungen aus dem Französischen, Englischen und Russischen liefere, sei durch und durch unitalienisch.
„Basta!“ schloss der Artikel, „Basta mit diesen Nataschas, diesen Borissen, diesen Idioten.“

Natalia Ginzburg

Jede Neuerscheinung musste vom zuständigen Ministerium genehmigt, die Zensur jedes Mal aufs Neue ausgetrickst werden. Immer mal wieder auch ein Buch ins Programm genommen werden, nur um „die Rhetorik des Nationalsozialismus zu dokumentieren“, wie Einaudi es formulierte.
Giulio Einaudi Editore blieb dem gesteckten Ziel der Confraternità bis zum Jahr 1983 treu.

Weitere Informationen über die Protagonisten des Einaudi-Verlages, wie sie sich neben der Verlagsarbeit in den Widerstand einbrachten und wo heute noch an sie erinnert wird, finden sich im Buch.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

Der Schwur von Garda

Giuramento della Garda, 8. Dezember 1943

Neben den 23 dort beschriebenen Wandertouren haben wir in unserem Buch Partisanenpfade im Piemont auch eine Vielzahl von Erinnerungsplätzen aufgeführt, die mühelos ganz ohne körperliche Anstrengungen besucht werden können. So auch den kleinen ‚Parco della Memoria‘ bei San Giorio di Susa, wo bei der ‚Commemorazione Giuramento della Garda‘ unter dem Motto „Ieri, ora e sempre Resistenza“ wie in jedem  Jahr viele NO-TAV-Fahnen wehen werden.

8. Dezember 1943 - der "Schwur von Garda" - die Geburtsstunde der Resistenza im Susatal - Foto: © Wolfram Mikuteit

8. Dezember 1943 – der „Schwur von Garda“ – die Geburtsstunde der Resistenza im Susatal – Foto: © Wolfram Mikuteit

Unmittelbar nach der Proklamation des italienischen Waffenstillstandes am 8. September 1943 hatten sich um Carlo Carli, Egidio Liberti, Walter Fontan, Felice Cima und Marcello Albertazzi im unteren Susatal erste Widerstandsgruppen, ‚le prime bande‘, gebildet. Aufgrund der von ihnen verübten Sabotageakte auf die für die Deutschen strategisch extrem wichtige Eisenbahnverbindung Turin – Modane, Brücken und Telegrafenleitungen, wurden Teile der Region bereits Ende Oktober 1943 zum ‚Bandengebiet‘ erklärt.

Die offizielle Geburtsstunde der Resistenza im Susatal wird auf den 8. Dezember 1943 datiert. An diesem Tag versammelten sich die Männer, die sich nun nicht mehr ‚Rebellen‘ oder ‚Patrioten‘, sondern ab jetzt ‚Partisanen‘ nannten, auf einer Lichtung bei Martinetti oberhalb von San Giorio di Susa. Don Francesco Foglia – wegen seiner Erfahrungen im Umgang mit Sprengstoff auch ‚Don Dinamite‘ genannt – zelebrierte die Messe. Danach legten die Männer den Schwur von Garda ab: Sie schworen auf die mitgeführte italienische Trikolore, so lange gegen den Nazi-Faschismus zu kämpfen, bis das Land befreit wäre.

Im Jahr 2004 wurde an dieser Stelle eine Erinnerungsstätte eingerichtet. Dieser kleine ‚Parco della Memoria‘ ist über einen einstündigen durch Kastanienwald führenden Rundweg erreichbar. Anfahrt ab San Giorio di Susa über die Weiler Martinetti und Vietti auf der Straße nach Pognant. Kurz hinter Vietti beginnt der ‚Sentiero della Memoria‘ an einer links abzweigenden Forststraße. Dem Hinweisschild zum ‚Pilone di Garda‘ folgen.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit