Stolpersteine in Turin

In Turin wurden am 10. und 11. Januar 2015 erstmals Stolpersteine verlegt.

Nachdem im Jahr 2010 in Rom die ersten italienischen Stolpersteine – “Pietre d’Inciampo” – verlegt wurden, entstanden (und entstehen nachwievor) in vielen italienischen Städten und Gemeinden Initiativen, die Verlegungen dieser kleinen, mit Messing überzogenen und in den Boden eingelassenen Gedenksteine organisieren, um an das Schicksal von Menschen zu erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert, ermordet, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

In Turin wird das Stolperstein-Projekt von einem breiten Spektrum an Organisationen getragen, dem das Museo della Resistenza, die Jüdische Gemeinde, das Resistenza-Institut, die ANED (Nationale Vereinigung der Deportierten), das Goethe-Institut u.v.a.m. angehören. So konnten 27 Gedenksteine für TurinerInnen verlegt werden, die aus politischen oder rassistischen Gründen deportiert wurden.

Nun liegt beispielsweise vor dem Eingang der Schule am Corso San Maurizio 8 ein Stolperstein für Teresio Fasciolo:

 

 

 

QUI STUDIAVA
TERESIO FASCIOLO
NATO 1925
ARRESTATO MARZO 1944
DEPORTATO 1944
MAUTHAUSEN
ASSASSINATO 30.5.1944

 

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Die Hospitäler der Resistenza in den Lanzotälern

Am 12. September 1943 – wenige Tage nach dem Waffenstillstand – erhielt der Dermatologe Dr. Attilio Bersano Begey vom italienischen Roten Kreuz die offizielle Weisung, seine alte Arbeitsstelle im Ospedale Maria Vittoria in Turin wieder anzutreten. Was er auch tat – und unmittelbar danach Kontakt aufnahm zu den Widerstandszellen in Turin.

Villa Cibrario - Foto: © Wolfram Mikuteit

Villa Cibrario im oberen Viùtal bei Usseglio, ehemaliges Partisanenhospital

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Partisanenrepublik Ossola, Orte der Erinnerung – Teil 4

Der erbitterte Kampf gegen die von vielen Kriegsverbrechen begleitete deutsche Besatzung und der Versuch vieler Menschen aus dem Ossolatal, im Herbst 1944 in ihrer Heimat nach über 20 Jahren Faschismus endlich wieder demokratische Verhältnisse herzustellen, hat vielerorts Spuren hinterlassen. Aber Hinweise darauf, wo noch heute im Tal an den Widerstand erinnert und das Gedenken an die 44 Tage der „Repubblica partigiana della Val d’Ossola“ wachgehalten wird, sucht man in deutschsprachigen Reiseführern leider vergeblich.

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Die Partisanenrepublik von Ossola – Teil 3

Gescheiterte Hoffnungen
Die vage Idee der Alliierten, in Italien eine zweite Front zu eröffnen und dafür das Val d’Ossola als Basis für Angriffe gegen die Poebene und zur Befreiung Norditaliens auszubauen, war bereits längst zu den Akten gelegt, als das Tal im September 1944 von den Partisanen befreit wurde. Zunächst wegen der großen Durchkämmungsaktion im Juni 1944 zurückgestellt, fiel der Plan danach veränderten strategischen Rahmenbedingungen zum Opfer: Für die unter den Alliierten nicht unumstrittene Landung in der Provence am 15. August 1944 (Operation Dragoon) mussten dafür nötige Truppen teilweise aus Italien abgezogen werden. Es sollte sich zeigen, dass durch die erfolgten Truppenreduzierungen selbst der alliierte Vorstoß gegen die Gotenlinie nach der Einnahmme von Rimini ins Stocken geriet.

Wandgemälde von Angelo del Devero in Domodossola

Wandgemälde von Angelo del Devero in Domodossola

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Enio Mancini: Das Massaker von Sant’Anna di Stazzema

Das Massaker von Sant'Anna di StazzemaIn Hamburg kann es zum wahrscheinlich letzten Kriegsverbrecherprozess Deutschlands kommen. Das gerade erschienene Buch mit den Erinnerungen von Enio Mancini, der das Massaker von Sant’Anna di Stazzema überlebte, liefert dazu die eindrückliche Geschichte und gewährt darüberhinaus Einblick in die notorische Verfolgungsverweigerung der deutschen Justiz gegenüber NS-Verbrechen.

Vor 70 Jahren ermordeten am 12. August 1944 Mitglieder der 16. SS-Panzergrenadierdivision „Reichsführer SS“ im toskanischen Bergdorf Sant’Anna di Stazzema mindestens 560 wehrlose Zivilisten – vorwiegend Frauen, alte Menschen und über 100 Kinder.

 

 

Dass das Geschehen nicht in Vergessenheit geriet, ist vor allem Enio Mancini zu verdanken, der als kleiner Junge das Massaker überlebte. Dank seines beharrlichen Engagements, seiner Suche nach Erinnerungsstücken und Berichten von anderen Überlebenden, konnte 1991 im ehemaligen Schulgebäude von Sant’Anna das Museum des Historischen Widerstands eröffnet werden, dessen Leiter er bis 2006 war. Seine im Vorjahr in Italien erschienenen Erinnerungen liegen jetzt in deutscher Übersetzung vor. Er schildert darin das Leben in dem abgelegenen Bergdorf, die Ereignisse des 12. August 1944 und die Probleme der teilweise schwer traumatisierten Überlebenden beim Wiederaufbau der Gemeinde. Auch darüber, wie still es danach um die Ereignisse von Sant’Anna wurde: Eine juristische Verfolgung der Greueltaten unterblieb.

Der Mantel des Schweigens, der fünf Jahrzehnte lang in Italien über den vielen von deutscher Wehrmacht und SS verübten Verbrechen lag, wurde spät gelüftet: Die aus Rücksichtnahme gegenüber dem Nato-Partner 1960 bei der Militäranwaltschaft in Rom „vorläufig archivierten“ Ermittlungsakten einer noch während des Krieges eingesetzten amerikanischen Militärkommission wurden ab 1994 Grundlage diverser Ermittlungen. Im Fall des Massakers von Sant’Anna di Stazzema sprach das Militärgericht La Spezia 2005 zehn der angeklagten Mitglieder der 16. SS-Panzergrenadierdivision „Reichsführer SS“ wegen “fortgesetzten Mordes mit besonderer Grausamkeit” schuldig und verurteilte sie in Abwesenheit jeweils zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Für die Verurteilten folgenlos: Eine Auslieferung war nicht zu befürchten.

Der Geist der furchtbaren Juristen
Seitdem ist auch im Land der Täter viel über das Massaker von Sant’Anna di Stazzema berichtet worden. Vor allem über die schleppend betriebenen Ermittlungen. Seit 1996 lag der Vorgang bei der Zentralen Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg. Von 2002 bis 2012 ermittelte die Staatsanwaltschaft Stuttgart und stellte schliesslich die Ermittlungen ein. Das Massaker an mindestens 560 Frauen, Kindern und alten Menschen könne auch als Kollateralschaden im Rahmen der Partisanenbekämpfung zu werten sein. Für die Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung fertigte Dr. Carlo Gentile, historischer Sachverständiger bei vielen NS-Strafverfahren und Mitglied der deutsch-italienischen Historikerkommission, ein Gutachten an, das diesen Ansatz widerlegt. Dennoch bestätigte die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart im Jahr 2013 die Einstellung des Verfahrens.

Die Strafrechtlerin Gabriele Heinecke, die seit 2005 mit Enrico Pieri den Sprecher der Opfervereinigung von Sant’Anna vertritt, beschreibt in einem eigenem Kapitel minutiös, wie die juristische Aufarbeitung in Deutschland bewusst hintertrieben und verschleppt wurde, wie unstrittige Sachverhalte zugunsten der Beschuldigten uminterpretiert wurden. Vorgänge, die belegen, wie der Geist der die Nachkriegszeit dominierenden furchtbaren Juristen das deutsche Rechtssystem heute noch beherrscht.

Kurz nach Drucklegung des Buches hatte das letztmögliche Rechtsmittel, das Klageerzwingungsverfahren vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe gegen den Kompanieführer, den ehemaligen SS-Untersturmführer Gerhard Sommer, Erfolg: Der 3. Strafsenat sah „ausreichenden Tatverdacht“ und „keine vernünftigen Zweifel“ daran, dass die Handlungen von vornherein auf die Vernichtung der Zivilbevölkerung von Sant’Anna gerichtet waren. Das Gericht verwies das Verfahren an die Staatsanwaltschaft Hamburg, wo Sommer lebt. Dort kann es nun zum wahrscheinlich letzten Kriegsverbrecherprozess Deutschlands kommen. Das Buch mit den Erinnerungen von Enio Mancini, den Ausführungen von Gabriele Heinecke und der historischen Rekonstruktion des Massakers von Carlo Gentile liefert dazu die Informationen.

Sabine Bade

Gabriele Heinecke, Christiane Kohl, Maren Westermann (Hg): Das Massaker von Sant’Anna di Stazzema – Mit den Erinnerungen von Enio Mancini. Mit Beiträgen von Christiane Kohl und Maren Westermann, der juristischen Einordnung von Gabriele Heinecke sowie einer Untersuchung des Historikers Carlo Gentile. Laika Verlag Hamburg, ISBN: 978-3-944233-27-7, Hardcover mit Schutzumschlag, 144 Seiten, 19,00 €.