Die Partisanenrepublik von Ossola – Teil 2

Die erste Befreiung des Val d‘Ossola
Ossolo-Tal - KarteHatten die Deutschen gehofft, mit den großangelegten Durchkämmungsaktionen im Val d’Ossola im Juni 1944, bei denen ca. 300 Partisanen getötet und ungefähr 400 gefangengenommene Zivilisten in deutsche Lager deportiert worden waren, die Region in ihrem Sinne befriedet zu haben, wurden sie schnell eines anderen belehrt: Aus ihren Rückzugsgebieten heraus formierten sich die Partisanen neu, bekamen weiteren Zulauf und starteten Mitte August 1944parallel zur alliierten Landung in Südfrankreich, der Befreiung von Florenz und der Offensive der Alliierten gegen die Gotenlinie – die militärischen Aktionen, die zur Befreiung des Val d’Ossola führen sollten.

In nicht oder nur wenig aufeinander abgestimmten Angriffen – ein einheitliches Kommando gab es nicht – begannen die „Division Piave“ im Valle Cannobina und Valle Vigezzo, die „Beltrami“ um Omegna, die „Valdossola“ links des Toce, die „Valtoce“ rechts des Toce und die Garibaldini vor allem in den Nebentälern mit Sabotageaktionen gegen Eisenbahnverbindungen, Elekritizitätszentralen und deutsche Präsidien. Lageberichte der Militärkommandantur Novara schilderten dies für den Berichtszeitraum vom 16. 8.-15. 9. 1944 wie folgt: „Das Bandenwesen hat sich im Berichtszeitraum weiter verstärkt. Der Nordteil der Provinz Novara befindet sich fast gänzlich in den Händen der Rebellen. Infolge Sabotage und Kontrolle aller Verkehrswege durch die Rebellen ist die Nutzung der Rüstungsindustrie in diesem Bereich unmöglich geworden.“ Anfang September 1944 standen das gesamte Gebiet nördlich von Domodossola und das Valle Cannobina unter der Kontrolle der Partisanen. Danach wurden weitere Gebiete im Süden bei Villadossola erobert, was zur Folge hatte, dass deutsche Besatzer und italienische RSI-Truppen am 8. September 1944 von allen Verbindungswegen abgeschnitten waren. Die Stärke der Partisanenformationen überschätzend, traten die Deutschen über einen Priester an Oberst Moneta heran – Motto: „Wenn wir schon verhandeln müssen, dann doch wenigstens mit einem Militär und nicht mit dahergelaufenen Banditen“ -, um einen Waffenstillstand zu vereinbaren. Die Kommandanten der „Valdossola“, „Valtoce“ und „Piave“ unterschrieben die Vereinbarung einen Tag später. Um 6 Uhr früh am 10. September 1944 verließ die ca. 750 Mann starke Kolonne der Besatzer Domodossola in Richtung Verbania.

Die „Giunta Provvisoria di Governo dell’Ossola“
Gleich nach Abzug der Deutschen aus dem Ossolatal wandte sich der Kommandant der „Valdossola“ Dionigi Superti mit einer Botschaft an die Gruppe um Ettore Tibaldi in der Schweiz, um sie zur Rückkehr ins Tal zu bitten und Tibaldi die Leitung der Regierung der nunmehr freien Zone anzutragen.

Die noch am selben Abend aus der Schweiz angereisten Männer fanden sich bereits um Mitternacht zur konstituierenden Sitzung der „Giunta Provvisoria di Governo dell’Ossola“ zusammen:

  • Der Sozialist Professor Ettore Tibaldi wurde deren Präsident und verantwortlich für die Beziehungen zum CLN und Ausland, das Pressewesen und die Justiz;
  • der partei-unabhängige Ingenieur Giorgio Ballarini wurde Kommissar für den öffentlichen Dienst, Transportwesen und Arbeit;
  • dem Kommunisten Giacomo Roberti wurde die Zuständigkeit für das Polizeiwesen übertragen,
  • dem Christdemokraten Professor Luigi Zoppetti die für die Bereiche Erziehung, Kultur und Fürsorge;
  • der Liberale Dr. Alberto Nobili war zuständig für Finanzen, Wirtschaft und Ernährung,
  • der Aktionist Severino Cristofoli für die Organisation der Verwaltung und der Industrieproduktion und
  • der Sozialist Mario Bonfantini (Bandini) für die Beziehungen zu den militärischen Formationen.

Giunta provvisoria di DomodossolaDass die provisorische Regierung der Partisanenrepublik von Ossola zwar paritätisch mit Vertretern aller den Widerstand tragenden Parteien besetzt, aber nicht „von unten“ gewachsen, sondern „von oben“ eingesetzt worden war, gab in der Folge Anlass für einige Kontroversen mit dem CLN in Mailand. Die wurden von der Giunta aber recht eloquent pariert: Dass das geografisch zum Piemont gehörende Ossolatal wegen seiner großen militärstragischen Bedeutung dem lombardischen CLN/CLNAI in Mailand unterstellt war, wurde erst Mitte Juli 1944 entschieden, lokale CLNs existierten noch nicht, und im Augenblick der Befreiung hätte man im Tal nicht auf Weisungen aus Mailand warten können, sondern direkt mit der Arbeit beginnen müssen.

Demokratische Spielregeln nach 22 Jahren Diktatur
Diese Arbeit sollte – so der eigene Anspruch der Giunta – ein Beispiel geben für die noch existierende Fähigkeit der Italiener, sich selbst nach demokratischen Spielregeln regieren zu können. Die Reorganisation des gesamten „Staatsapparates“ nach rechtsstaatlichen Prinzipien umfasste alle Bereiche des ca. 1600 km² großen Gebietes der Partisanerepublik von Ossola, in dem 1944 ungefähr 82.000 Einwohner lebten: Neben der Sicherstellung der Nahrungsversorgung (Festpreise für Lebensmittel, Unterbindung des Schwarzhandels etc.), der Umstellung der Industrieproduktion von Rüstungsgütern auf die von der Schweiz im Handelsaustausch bevorzugten Güter und der gerechten Verteilung der Hilfsgüter wurden Dorf- und Ortsräte gewählt, durch tägliche Kommuniques Transparenz über die Regierungsarbeit hergestellt, das Erziehungs- und Justizwesen reformiert.

Die ambitionierten Reformansätze entstanden nicht ex nihilo: Die antifaschistische intellektuelle Elite Italiens hatte – eingekerkert, auf abgelegenen Inseln oder Bergregionen in der Verbannung („confino“) lebend oder im Untergrund arbeitend – während der über 20 Jahre andauernden faschistischen Diktatur viel Zeit, um sich programmatisch auf die Ära nach Überwindung dieses Regimes vorzubereiten. Auf einer Verbannungsinsel hatten Altiero Spinelli, Ernesto Rossi und Eugenio Colorni das ‚Manifest von Ventotene‘ verfasst; entlang des piemontesischen Alpenbogens hatten Antifaschisten um den Philosophen Federico Chabod die ‚Carta di Chivassoerarbeitet, die heute als eine Art historische Geburtsurkunde des europäischen Föderalismus gilt, etc. etc. Heutige Regierungen wären um einen derartigen Think-Tank zu beneiden.

Flugblatt der provisorischen Regierung im OssolatalDie im Rathaus von Domodossola amtierende antifaschsitische Exekutive konnte darüberhinaus auf einen Zirkel von versierten „Sekretären“ vertrauen. So war der in Domodossola geborene und seit 1938 an der Universität Fribourg lehrende Philologe Professor Gianfranco Contini für das Erziehungswesen zuständig; während seines Studiums in Turin hatte er sich im Umfeld der legendären Bruderschaft kluger junger Männer um Massimo Mila und Leone Ginzburg bewegt, aus der der Einaudi-Verlag hervorging. Die Redaktion des ‚Bollettino Quotidiano di Informazioni‘ übernahm Umberto Terracini: mit Gramsci und Togliatti gehörte er zu den Begründern der ‚Ordine nuovo‘, war Mitglied der Gründungsversammlung des PCI und 1926 Direktor der L’Unita von Mailand; kurz darauf zu 23 Jahren Haft verurteilt, lebte er seit 1937 in der Verbannung („confino“). Nach seiner Befreiung im August 1943 floh er in die Schweiz und kam zusammen mit Ettore Tibaldi am 10. September 1944 nach Domodossola. Als außerordentlicher Untersuchungsrichter wurde der sozialistische Jurist Ezio Vigorelli eingesetzt: Nach mehrmaligen Verhaftungen war ihm die Flucht in die Schweiz gelungen, wo er mit der Gruppe um Tibaldi zusammenarbeitete. Während der 44 Tage der Partisanenrepublik von Ossola wurde kein einziges Todesurteil gefällt; Rachejustiz fand nicht statt. Der Regierung gefährliche Anhänger des Salò-Regimes und mit den deutschen Besatzern kollaborierende Personen wurden lediglich in Druogno im Valle Vigezzo interniert.

Als letztes Beispiel für den Beraterstab der „Giunta Provvisoria di Governo dell’Ossola“ sei ihr Buchhalter angeführt: Für das Rechnungswesen war Piero Malvestiti zuständig. Der Mitbegründer der Democrazia Cristiana (und spätere Präsident der Montanunion) sorgte dafür, die Regierungsgeschäfte auch finanziell ordnungsgemäß abzuwickeln: Bei der Flucht der Regierung wurden keine Schulden hinterlassen.

Gisella Floreanini – die erste Frau Italiens in Regierungsverantwortung
Am 6. Oktober 1944 wurde Gisella Floreanini als 2. Vertreterin der Kommunisten in die Giunta aufgenommen. Verantwortlich für Fürsorge und die Verbindung zu den Massenorganisationen war sie damit die erste Frau in der Geschichte Italiens, die einen Ministerposten bekleidete. Es sollte danach weit über 30 Jahre dauern, bis mit Tina Anselmi 1976 die erste Ministerin der Republik Italien in die 3. Regierung Andreottis eintreten konnte.

Gisella Floreanini - erste Frau Italiens in RegierungsverantwortungEnde der 1920er-Jahre schloss sich Gisella Floreanini dem antifaschistischen Widerstand an, zunächst im Umfeld von Giustizia & Libertà, seit 1936 als Mitglied der im Untergrund arbeitenden Sozialistischen Partei Italiens. 1941 trat sie – bereits im Schweizer Exil als Musiklehrerin lebend – in die Kommunistische Partei ein und war unter dem Pseudonym „Amelia Valli“ mit Nachrichtenübermittlung zwischen der Schweiz und dem besetzten Italien befasst. Aus dem Schweizer Exil kehrte sie nach dem Kriegsaustritt Italiens im September 1943 nach Italien zurück, war aktiv im Frauenwiderstand und arbeitete weiterhin als Staffette zwischen den norditalienischen Partisaneneinheiten und der Vertretung des CLNAI in Lugano. Wegen unerlaubten Grenzübertritts in der Schweiz Mitte 1944 verhaftet, konnte sie nach Gründung der Partisanenrepublik von Ossola im September 1944 ins Ossolatal einreisen.

– Fortsetzung folgt –

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

Die Partisanenrepublik von Ossola

Über 20 von deutschen Besatzern und Mussolinis faschistischen Truppen vollständig befreite Gebiete, Partisanenrepubliken, gab es im Sommer und Herbst 1944 in Italien. Die wegen ihrer Ausdehnung und Bevölkerungsdichte bedeutsamste von ihnen war die „Repubblica partigiana della Val d’Ossola“. Sie wurde vor genau 70 Jahren, am 10. September 1944, im piemontesischen Domodossola ausgerufen. Es folgten die 44 Tage der freien Partisanenrepublik Ossola, in deren Verlauf ein funktionierendes Modell einer antifaschistischen, pluralistischen Demokratie aufgebaut wurde.Grenzstein Partisanenrepublik Ossola - Foto: © Wolfram Mikuteit

Der hier beginnende mehrteilige Artikel zur Partisanenrepublik von Ossola soll schlaglichtartig beleuchten, unter welchen politischen und militärischen Rahmenbedingungen die Menschen aus dem Ossolatal das Experiment wagten, in ihrer Heimat nach über 20 Jahren Faschismus demokratische Verhältnisse herzustellen. Und aufzeigen, was in keinem Reiseführer steht: Wo noch heute im Tal an den Widerstand erinnert und das Gedenken an die Tage der freien Republik wachgehalten wird – die am 23. Oktober 1944 von der deutschen Wehrmacht mit Unterstützung italienischer Faschisten in der Operation „Avanti“ zurückerobert wurde.

 

Die Anfänge des Widerstands im Val d‘Ossola
Nach der Absetzung Benito Mussolinis und der Waffenstillstandserklärung Italiens am 8. September 1943, die der Landung der Alliierten auf Sizilien und deren weiterem Vormarsch aufs Festland folgte, wurde das noch nicht von alliierten Truppen eroberte Italien handstreichartig von deutschen Truppen besetzt. Die Front teilte Italien praktisch in zwei Staaten: Im Norden die Marionettenregierung von Hitlers Gnaden, Mussolinis Republik von Salò (Repubblica Sociale Italiana, RSI), im Süden die Regierung von Mussolinis Nachfolger Badoglio, das Regno del Sud. Die hatte am 13. Oktober 1943 Deutschland den Krieg erklärt und wurde damit aus Sicht der Alliierten zur „co-belligerent nation“, zum mitkriegsführenden Land.

Wie in Rom, wo am Tag nach der deutschen Besetzung von Monarchisten, Christdemokraten, Liberalen, Sozialisten und Kommunisten das „Komitee der nationalen Befreiung“ (Comitato di Liberazione Nazionale, CLN) gegründet wurde, fanden sich fast überall im Land Menschen in klandestinen Zirkeln des antifaschistischen Widerstands gegen das deutsche Besatzungs- und faschistische RSI-Regime zusammen. So auch im nordpiemontesischen Val d’Ossola. Einer ihrer Protagonisten war hier der Sozialist Professor Ettore Tibaldi, Chefarzt im Krankenhaus San Biagio von Domodossola. Mitglieder des Klerus arbeiteten in diesen Gruppen ebenso wie Anhänger des gesamten antifaschistischen Spektrums. Daneben bildeten sich in dieser Gebirgsregion, die sich wie ein Dreieck in die Schweiz erstreckt – im Westen durch den Kanton Wallis und im Osten durch den Kanton Tessin und den Lago Maggiore begrenzt wird -, erste Partisanengruppen, die Überfälle zur Erbeutung von Waffen und Munition und Sabotageaktionen zur Unterbrechung des Straßen- und Eisenbahnverkehrs verübten. Getreu der Vorgaben des britischen Oberbefehlshabers in Italien, General Harold Alexander, an die Resistenza: „Sabotate, attaccate, non date tregua al nemico“.
Nach einem gescheiteren Aufstandsversuch in Villadossola im November 1943 wurden der Gewerkschaftsführer Redimisto Fabbri und andere Aktivisten erschossen, Ettore Tibaldi und andere Protagonisten des zivilen Widerstands mussten in die nahe Schweiz flüchten.

Kontakte zu den Alliierten
Im Schweizer Exil unterhielten die Widerstandskräfte aus dem Ossolatal gute Kontakte zum amerikanischen Geheimdienst (Office of Strategie Services, O.S.S.) unter Allan Dulles und dem britischem Geheimdienst (Special Operations Executive, S.O.E.) unter John Mac Caffery. Der Nachrichtenaustausch zwischen den im Tal gebliebenen, nur locker miteinander in Kontakt stehenden Widerstandsgruppen einerseits und den in Lugano ansässigen Mitgliedern der Resistenza, auch der dortigen Vertretung des CLN, und den Alliierten wurde durch einen fast täglich die Grenze überquerenden Kurier sichergestellt.
Im Mai 1944 beauftragten die Briten den Anwalt Giovanni Battista Stucchi (der später zum Repräsentanten des CLN im befreiten Ossola ernannt wude) mit der Ausarbeitung eines Aktionsplanes zur Befreiung des Ossolatals („Plan Morelli“). Eine Zeitlang beschäftigten sich die Alliierten mit dem Vorhaben, in Italien eine zweite Front aufzubauen, das Ossolatal zur Basis für Angriffe gegen die Poebene und zur Befreiung Norditaliens auszubauen.
Infolge der großen Durchkämmungssaktion (Rastrellamento) im Juni 1944 wurden derartige Pläne aber zunächst zurückgestellt.

Die Rastrellamenti vom Juni 1944
Am 4. Juni 1944, nach der Befreiung Roms durch die Alliierten, hatte das CLN einen Appell an die Partisanen gerichtet und zu einer Großoffensive angesichts der erhofften schnellen Befreiung auch Norditaliens aufgerufen.
Dem folgten die Partisanengruppen im Ossolatal: Die „Divisione Valdossola“ unter dem Republikaner Dionigi Superti, die „Divisione Valtoce“ unter dem konservativen Monarchisten Alfredo Di Dio, die „2. Division Garibaldi“, die „Divisione Piave“ und die „Brigata Beltrami“ (um hier nur die größten zu nennen) – darunter viele junge Wehrpflichtige, die dem Einberufungsbefehl der faschistischen Republik von Salò nicht folgen wollten – verübten u.a. Anschläge auf Elekritizitätszentralen, was die Stromlieferungen an die für die Deutschen in Novara und Mailand produzierenden Industrien versiegen ließ, und brachten die für den deutschen Nachschub wichtige Bahnlinie zwischen Domodossola und Arona unter ihre Kontrolle.
l'eccidio di Fondotoce - Foto: Casa della Resistenza, FondotoceMit den vom 10. bis zum 23. Juni 1944 verlaufenden Unternehmen „Köln“ und „Freiburg“ kreisten circa 17.000 Männer (Wehrmacht, SS und faschistische Miliz) mit massiver Luftunterstützung das Ossolatal ein und brachten die Region wieder unter ihre Kontrolle.
Insgesamt wurden bei dieser zweiwöchigen Aktion im Ossolatal ca. 300 Partisanen während der Kämpfe getötet oder hingerichtet, davon allein am 20. Juni 1944 in Verbania-Fondotoce 42 Menschen: Auf ihrem Weg zur Hinrichtungsstätte mußten sie ein Schild vor sich hertragen mit der Aufschrift: „Sono questi i liberatori d’Italia oppure sono i banditi?
Von den ungefähr 400 gefangen genommenen Zivilisten wurden fast alle in deutsche Lager deportiert.Der Widerstand im Ossolatal schien zunächst gebrochen.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

 

 

Durch das Valle Gesso: Attraverso la Memoria 2014

Seit über 15 Jahren finden – jeweils am ersten Septemberwochenende – im italienischen Valle Gesso und im französischen Vallée de la Vésubie Gedenkwanderungen statt, die an die etwa 800 jüdischen Menschen erinnern wollen, die hier zwischen dem 9. und 13. September 1943 aus Saint-Martin-Vésubie vor den aus dem Süden vordringenden Nazis über den Alpenhauptkamm flohen.


Ihre Hoffnung, mit dem beschwerlichen Weg über die Pässe Finestra (2.474 m) und Ciriegia (2.543 m) und weiter über Entracque und Borgo San Dalmazzo in die Freiheit zu gelangen, trog: die Deutschen marschierten am 12. September auch in diese Region ein und besetzten die italienischen Stellungen. Viele der Flüchtlinge wurden von den Deutschen auf Basis der von Mussolini 1938 erlassenen ‚Rasse-Gesetze‘ festgenommen und in Borgo San Dalmazzo inhaftiert.

Am Bahnhof dieses kleinen Ortes am Eingang des Sturatales erinnert heute ein Mahnmal, das ‚Memoriale della Deportazione‘ daran, dass hier am 21. November 1943 insgesamt 329 Menschen dieser Fluchtgruppe in Güterwaggons gepfercht und in das Konzentrationslager Auschwitz transportiert wurden, wo 311 von ihnen ermordet wurden.


… auf den Percorsi Ebraici

Voriges Jahr haben wir an der Gedenkwanderung von San Giacomo di Entracque zum Colle di Finestra teilgenommen und darüber berichtet. In diesem Jahr findet die unter dem Motto „Attraverso la memoria / Marche de la mémoire“ stehende Gedenkwanderung am 7. September statt und führt von Terme di Valdieri zum Colle Ciriegia. Der sehr schöne Wanderweg von Gias della Casa hinauf zum Pass ist – wie auch jener über den Colle di Finestra – vom italienisch-französisch-schweizerischen Gemeinschaftsprojekt ‚La Memoria delle Alpi / La Mémoire des Alpes / Gedächtnis der Alpen’ als Freiheitspfad‚ als ‚Percorsi Ebraici‘, ausgewiesen.

Hier das Programm zum Download.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit

 

Sant’Anna di Stazzema – Anklage im Fall des Massakers möglich

Schallende Ohrfeige für Stuttgarter Juristen
„Hinreichender Tatverdacht“: Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat im Klageerzwingungsverfahren der Opfervertreter des Massakers von Sant’Anna di Stazzema den Einstellungsbeschluss der Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen den ehemaligen SS-Untersturmführer Gerhard Sommer aufgehoben. Damit könnte eines der größten und grausamsten Verbrechen, das deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg verübt haben, doch noch vor Gericht aufgearbeitet werden. Außerhalb Baden-Württembergs.

Nächste Woche jährt sich zum 70. Mal der Tag, an dem im toskanischen Bergdorf Sant’Anna di Stazzema mindestens 560 wehrlose Frauen, Kinder und alte Menschen ermordet wurden: Am frühen Morgen des 12. August 1944 erreichten Einheiten der 16. SS-Panzergrenadierdivision „Reichsführer SS“ den Ort. Als sie Stunden später das Dorf wieder verließen, lagen mehrere hundert Menschen tot auf dem Kirchplatz und in den Trümmern ihrer Häuser – erschossen, verstümmelt, verbrannt. Darunter über 100 Kinder.


Der an den Taten beteiligte Kompanieführer des II. Bataillons des 35. Panzergrenadier-Regiments der 16. SS-Panzerdivision „Reichsführer SS“ Gerhard Sommer, seit 1939 Mitglied von NSDAP und Waffen-SS, erhielt wenige Tage nach dem Massaker, am 19. August 1944, das Eiserne Kreuz I. Klasse.

Stuttgarts Juristen setzten jahrelang auf die „biologische Lösung“
Vor deutschen Gerichten mussten sich die Täter nie verantworten. Im Gegensatz zu Italien, wo das Militärgericht La Spezia am 22. Juni.2005 zehn der Beschuldigten in Abwesenheit schuldig sprach und wegen „fortgesetzten Mordes mit besonderer Grausamkeit“ zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilte. Auslieferungshaftbefehle der Italiener wurden jedoch abgewiesen, sodass die im fernen La Spezia rechtskräftig Verurteilten unbehelligt blieben.

In Deutschland hatte zunächst die Zentralstelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg Vorermittlungen im Fall des Massakers von Sant’Anna durchgeführt und den Fall danach an die Staatsanwaltschaft Stuttgart verwiesen, in dessen Einzugsbereich einer der Verdächtigen damals lebte. Dort begannen unter Oberstaatsanwalt Bernhard Häußler, Chefermittler in allen „politischen Fällen“, im Jahr 2002 die Ermittlungen gegen 17 damals noch lebende Tatbeteiligte. „Umfangreich“ und „äußerst aufwändig“ geführt sollen sie gewesen sein, ist der Einstellungsverfügung zu entnehmen, die nach langwieriger, zehnjähriger Ermittlungstätigkeit am 1. Oktober 2012 erging.

Die Verschleppung der Ermittlungen hatte vorher immer wieder zu kritischen Nachfragen geführt und den Verdacht genährt, man setze in Stuttgart auf eine rein „biologische Lösung“: Schließlich waren seit ihrem Beginn bereits mehrere der hochbetagten Beschuldigten gestorben.

Als sich ein Ende der Ermittlungen nicht mehr länger hinauszögern ließ, entschied sich Bernhard Häußler, „keinen hinreichenden Tatverdacht für eine Anklage“ zu erkennen und stellte das Ermittlungsverfahren ein: Es könne sich bei dem Massaker an den über 560 Frauen, Kindern und alten Menschen auch um eine aus dem Ruder gelaufene Aktion im Rahmen der gezielten Bandenbekämpfung gehandelt haben. Diesem im Hinblick auf die strafrechtliche Verantwortlichkeit der damals noch lebenden Beschuldigten maßgeblichen kruden Kollateralschaden-Ansatz schloss sich kurz darauf auch der baden-württembergische Justizminister Rainer Stickelberger (SPD) an, dem die Einstellungsverfügung zur Prüfung vorlag.

Der lange Weg durch die Instanzen
So lange aber noch einer der Beschuldigten zur Rechenschaft gezogen und damit Geschichtsfälschung verhindert werden könnte, wollten die seit 70 Jahren auf Gerechtigkeit wartenden noch lebenden Opfer des NS-Massakers von Sant’Anna und ihre Angehörigen nicht aufgeben: Im Namen ihres Mandaten Enrico Pieri, der zum Zeitpunkt der Tat zehn Jahre alt war, durch das Massaker am 12. August 1944 25 Familienmitglieder verlor und Sprecher der Opfervereinigung ist, legte die Hamburger Anwältin Gabriele Heinecke bei der zuständigen Generalstaatsanwaltschaft als nächsthöhere Instanz Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung ein.

Enrico Pieri mit Sohn Massimo - Foto: © Wolfram Mikuteit

Enrico Pieri und Sohn Massimo, bei einer Veranstaltung am 19. Mai 2014 in Konstanz

Die damals von uns geäußerte Hoffnung, dass damit der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart noch eine Chance für den Nachweis geboten würde, dass sich auch in Baden-Württemberg der Umgang mit NS-Verbrechen verändert hat, um den Verdacht auszuräumen, dass der Geist der die Nachkriegszeit dominierenden furchtbaren Juristen unser Rechtssystem auch heute noch beherrscht, wurde nicht bestätigt.

Denn der bei der Generalstaatsanwaltschaft in Stuttgart zuständige Oberstaatsanwalt Peter Rörig sah keinen Grund, die Ermittlungsergebnisse anzuzweifeln. Obwohl ihm beim Vergleich der historischen Fakten aus dem Gutachten des Historikers Dr. Carlo Gentile mit dem Elaborat seines Kollegen Häußler (mittlerweile im Ruhestand) schnell hätte klar sein müssen, dass dieser, nun ja: nicht ausreichend ermittelt hat. Carlo Gentile arbeitet seit vielen Jahren als historischer Sachverständiger bei NS-Strafverfahren oder deren Vorbereitungen und ist auch Mitglied der im Jahr 2009 von den Außenministern beider Staaten eingesetzten deutsch-italienischen Historikerkommission. Sein von Enrico Pieri beauftragtes Gutachten zeigt hanebüchene Ermittlungsfehler der Stuttgarter Staatsanwaltschaft auf, sorgfältiger Umgang mit historischen Fakten sieht wahrlich anders aus. Dessenungeachtet hat Oberstaatsanwalt Rörig das Ermittlungsergebnis Häußlers im Mai 2013 für die Generalstaatsanwaltschaft bestätigt.

Häußler, Rörig und Stickelberger endlich ausgebremst!
Als letzte Möglichkeit, die Tatumstände des Massakers von Sant’Anna di Stazzema innerhalb eines ordentlichen Gerichtsverfahrens klären zu lassen, blieb den Überlebenden des Massakers nach dieser Entscheidung OStA Rörigs nur noch der Weg über die Klageerzwingung. Große Hoffnung machte sich längst niemand mehr; versucht hat es Gabriele Heinecke für ihren Mandanten aber dennoch. Und war damit erfolgreich:

Am 5. August 2014 hat der 3. Strafsenat des Oberlandesgericht Karlsruhe den Einstellungsbeschluss der Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen den ehemaligen SS-Untersturmführer Gerhard Sommer aufgehoben (AZ: 3 Ws 285/13). Vollkommen anders als die Staatsanwaltschaft und die Generalstaatsanwaltschaft in Stuttgart, vollkommen anders auch als Justizminister Rainer Stickelberger, sieht das OLG Karlsruhe hinreichenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten. Für den 3. Strafsenat bestehen „keine vernünftigen Zweifel“ daran, dass die Befehle – die Sommer als kommandierendem Offizier bekannt waren – „nicht auf die Partisanenbekämpfung beschränkt, sondern von vornherein auf die Vernichtung der Zivilbevölkerung von Sant’Anna di Stazzema gerichtet waren“. Eine Verurteilung wegen Mordes oder zumindest Beihilfe dazu sei wahrscheinlich, „sodass genügender Anlass zur Anklageerhebung besteht“.

Nachdem ein Verfahren in Stuttgart 12 Jahre lang verhindert wurde, ist die dortige Staatsanwaltschaft zukünftig übrigens außen vor, und die Herren Häußler, Rörig und Stickelberger können sich die Entscheidung des OLG Karlsruhe lediglich zur Mahnung hinter den Spiegel stecken:

Da der beschuldigte Gerhard Sommer heute in Hamburg und damit außerhalb des OLG-Bezirks lebt, konnten die Richter keine Anklage erzwingen. Sie verpflichteten die Stuttgarter Ermittler stattdessen, das Verfahren an die Hamburger Staatsanwaltschaft abzugeben. Dort sollen die Ermittlungen nun zügig wieder aufgenommen und zu einer raschen Anklageerhebung geführt werden.

Und Gauck?
Bundespräsident Joachim Gauck ist viel unterwegs zur Zeit; er folgt der Blutspur, die Wehrmacht und SS mit bestialischen Massakern an der Zivilbevölkerung in den ehemals besetzten Staaten hinterließen. Er bat im griechischen Ligiades, im französischen Oradour-sur-Glane und auch in Sant’Anna di Stazzema wortreich um Vergebung – was viel einfacher ist, als auf berechtigte Entschädigungsforderungen einzugehen oder die Praktiken der baden-württembergischen Justizbehörden kritisch zu hinterfragen: „Es verletzt unser Empfinden für Gerechtigkeit tief, wenn Täter nicht überführt werden können, weil die Instrumente des Rechtsstaats das nicht zulassen“ (Gauck im März 2013 in Sant’Anna).

Was die Instrumente des Rechtsstaates zulassen, wenn sie nicht durch eine breite Front aus Justiz und Politik blockiert werden, hat die Entscheidung des OLG Karlsruhe aufgezeigt. Ob Joachim Gauck sich wohl bei seinem nächsten Besuch in Sant’Anna bemüßigt fühlen wird, sich für diese Aussage und 12 Jahre Verfahrensverschleppung zu entschuldigen?

Sabine Bade

 

In Kürze erscheinen – erstmals in deutscher Sprache – die Lebenserinnerungen von Enio Mancini, in denen er das Leben in Sant’Anna di Stazzema während des Krieges und die Ereignisse des 12. August 1944 beschreibt. Mancini gehört wie Enrico Pieri zu den wenigen Überlebenden des Massakers. Dank seines Engagements konnte 1991 im ehemaligen Schulgebäude von Sant’Anna das Historische Museum des Widerstands eröffnet werden, dessen Leiter er bis 2006 war. Zusammen mit Enrico Pieri wurde Enio Mancini von den „Anstiftern“ der Stuttgarter Friedenspreis 2013 verliehen.

Gabriele Heinecke, Christiane Kohl, Maren Westermann (Hg): Das Massaker von Sant’Anna di Stazzema – Mit den Erinnerungen von Enio Mancini. Mit Beiträgen von Christiane Kohl und Maren Westermann, der juristischen Einordnung von Gabriele Heinecke sowie einer Untersuchung des Historikers Carlo Gentile.
Laika Verlag Hamburg, ISBN: 978-3-944233-27-7, Hardcover mit Schutzumschlag, 144 Seiten, 19,00 €. Erscheint im August 2014.

 

Esther Bejarano beim 10. Festival della Resistenza in Fosdinovo

Das Programm, mit dem Esther Bejarano, die im „Mädchenorchester“ des Vernichtungslagers Auschwitz Akkordeon spielte, am 31. Juli 2014 im Resistenzamuseum von Fosdinovo zu sehen und zu hören ist, entstand – wie auch das Buch „La ragazza con la fisarmonica“ – vor einigen Jahren in Italien. Dorthin kehrt sie jetzt mit der Rap-Band Microphone Mafia zu einem Auftritt zurück. Joram und Esther Bejarano - Foto: © Wolfram Mikuteit

Esther Bejarano, 1924 in Saarlouis als Esther Loewy geboren, ist Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz, wo sie zu den weiblichen Häftlingen gehörte, die durch Aufnahme in das „Mädchenorchester“ vor der Vernichtung durch Arbeit und vor dem Tod in den Gaskammern bewahrt wurden. Seit Jahrzehnten engagiert sie sich künstlerisch und politisch als Sängerin, als Zeitzeugin und bei Kundgebungen und Veranstaltungen gegen jede Menschenfeindlichkeit und für eine anhaltende Erinnerungskultur. Sie ist Mitgründerin und Vorsitzende des Auschwitzkomitees sowie Ehrenvorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). Und seit 2009 rappt sie mit der deutsch-türkisch-italienischen Band „Microphone Mafia“, um der sich ausweitenden neofaschistischen Propaganda auf deutschen Schulhöfen etwas entgegen zu setzen.


Ein Film, ein Gespräch und ein Konzert

Das Programm dieses Abends entstand in Italien: Im Januar 2011 trat Esther Bejarano mit „Microphone Mafia“ zum Holocaust-Gedenktag in Turin auf. Bei einem Zusammentreffen mit der Journalistin Antonella Romeo, die 17 Jahre in Hamburg gelebt und dort u.a. für die ZEIT und Radio Colonia (WDR) gearbeitet hat, entstand die Idee für ein gemeinsames Buch- und Erinnerungsprojekt. Unter dem Titel „La ragazza con la fisarmonica – Dall’orchestra di Auschwitz alla musica Rap“ erschien zwei Jahre später im Turiner Verlag Edizioni SEB 27 das von Antonella Romeo herausgegebene Buch über Esther Bejarano, das im ersten Teil auch einen bereits in den 1980er-Jahren entstandenen Text enthält, den Esther selbst über ihre Kindheit, die Deportation nach Auschwitz und Ravensbrück, über die Befreiung und die anschließende Emigration nach Palästina, die Schwierigkeiten bei der Rückkehr nach Deutschland und ihr politisches Leben geschrieben hat. Antonella Romeo und Esther Bejarano - Foto: © Wolfram Mikuteit

Zum Holocaust-Gedenktag 2013 hatten Antonella Romeo und Piero Somaglino vom Verlag Edizioni SEB 27 zusammen mit den Resistenza-Instituten der drei Provinzen Turin, Cuneo und Alessandria ein eindrückliches Programm zusammengestellt: „Esther Bejarano – Un incontro, un concerto, un libro e un film per il giorno della memoria“.

Esther Bejarano sang Lieder in Jiddisch, Romanes und Russisch und erzählte aus ihrem Leben und von ihrer politischen Arbeit, von ihren Besuchen an Schulen und der Zusammenarbeit mit den Rappern von Microphone Mafia. Dabei wurde sie von dem Jazz-Akkordeonisten Gianni Coscia begleitet.

Am 31. Juli 2014 ist Esther Bejarano, die mit diesem Programm bereits in vielen deutschen Städten zu sehen und zu hören war, nun wieder Italien: Im Resistenzamuseum des kleinen Ortes Fosdinovo, direkt an der Grenze zwischen Ligurien und der Toskana, tritt sie wieder mit Microphone Mafia zur Eröffnung des 10. Festival della Resistenza auf: Mit Ausschnitten aus dem Dokumentarfilm „Esther, die Akkordeonspielerin im Auschwitzorchester“, der rund um die Veranstaltung in Turin 2011 entstanden ist, einem Gespräch zwischen Esther Bejarano und Antonella Romeo und Liedern über den Widerstand, aus den Lagern und über die Deportation von Juden, Sinti und Roma.

Esther Bejarano: Erinnerungen – Vom Mädchenorchester in Auschwitz zur Rap-Band gegen Rechts. Herausgegeben von Antonella Romeo. Laika-Verlag Hamburg, 2013. Hardcover mit Schutzumschlag, 208 S., 21 Euro, ISBN:978-3-94233-04-8

Wer nicht gerade im Urlaub in dieser Region ist und die Gelegenheit hat, Esther Bejarano dort zu sehen, kann zum Buch greifen: Im Herbst 2013 ist die deutsche Ausgabe von Esther Bejaranos „Erinnerungen“ im Laika Verlag erschienen; ihr ist der Dokumentarfilm als DVD beigelegt.

Sabine Bade & Wolfram Mikuteit